Versteckte Kosten machen bei Dienstleistungsprojekten in der Schweiz häufig 20—40% der ursprünglichen Offertensumme aus. Gemäss SECO sind unklare Leistungsvereinbarungen die Hauptursache.
Die häufigsten versteckten Kosten
1. Reisekosten und Spesen
Was oft vergessen wird:
- Fahrtkost
en (km-Pauschale oder ÖV)
- Reisezeit (oft 50–100% des Stundensatzes)
- Parkgebühren
- Übernachtungen bei mehrtägigen Einsätzen
Beispiel: Website-Projekt, 3 Vor-Ort-Termine:
- Basis: CHF 20’000
- Anfahrt Zürich-Bern (3× 250 km): CHF 675
- Reisezeit (3× 2h à CHF 75): CHF 450
- Zusatzkosten: CHF 1’125
So vermeiden Sie Überraschungen: Fragen Sie: “Sind Reisekosten im Preis enthalten?“
2. Lizenzen und Software
Typisch bei:
- Webprojekten (CMS-Lizenzen, Plugins)
- Design (Stock-Fotos, Fonts)
- Software-Entwicklung (APIs, Libraries)
Beispiel Website:
- Premium-Theme: CHF 200
- 5 Stock-Fotos: CHF 500
- Newsletter-Tool (1 Jahr): CHF 600
- Zusatzkosten: CHF 1’300
So vermeiden Sie Überraschungen: Fragen Sie: “Welche Lizenzen fallen zusätzlich an?“
3. Revisionen und Änderungen
Die Falle: Angebot sagt “Design inklusive”, aber nur 1 Revisions-Runde ist enthalten.
Typische Kosten:
- Revision 2+: CHF 500–2’000 pro Runde
- Änderungen nach Freigabe: CHF 120–200 pro Stunde
Beispiel: 3 Revisions-Runden statt 1 = CHF 2’000 Zusatzkosten
So vermeiden Sie Überraschungen: Fragen Sie: “Wie viele Revisions-Runden sind inkludiert?“
4. Schulung und Einarbeitung
Oft nicht enthalten:
- Schulung des Teams
- Dokumentation
- Support nach Go-Live
Typische Kosten:
- Schulung: CHF 1’000–3’000
- Dokumentation: CHF 500–2’000
- Support (erste 3 Monate): CHF 1’500–5’000
So vermeiden Sie Überraschungen: Fragen Sie: “Ist Schulung und Dokumentation enthalten?“
5. Material und Verbrauchsmaterial
Typisch bei:
- Gartenbau (Pflanzen, Erde, Dünger)
- Bau (Material, Werkzeug)
- Sanierung (Entsorgung)
Die Falle: “CHF 5’000 für Gartenanlage” – aber Pflanzen, Erde und Steine kosten extra CHF 3’000.
So vermeiden Sie Überraschungen: Fragen Sie: “Ist Material im Preis enthalten?“
6. Entsorgung und Nebenkosten
Typisch bei:
- Asbestsanierung: Entsorgung kostet CHF 400–800 pro Tonne
- Renovationen: Container, Entsorgung
- Abbrucharbeiten
Beispiel Asbestsanierung:
- Sanierung: CHF 8’000
- Entsorgung: CHF 2’400
- Total: CHF 10’400
So vermeiden Sie Überraschungen: Fragen Sie: “Sind Entsorgungskosten enthalten?“
7. Steuern und Gebühren
Was oft vergessen wird:
- MWST (aktuell 8.1% seit 2024) ist nicht immer im genannten Preis
- Baugenehmigungen
- Gebühren für Zertifikate
Beispiel: CHF 20’000 Offerte + 8.1% MWST = CHF 21’620
So vermeiden Sie Überraschungen: Fragen Sie: “Ist MWST inkludiert?“
8. Projektverlängerungen
Die Falle: Projekt läuft länger als geplant (aus welchem Grund auch immer).
Typische Zusatzkosten:
- Fortlaufende Stundensätze
- Opportunitätskosten (andere Projekte verzögern sich)
So vermeiden Sie Überraschungen: Fragen Sie: “Was passiert bei Verzögerungen?”
Branchen-spezifische versteckte Kosten
IT und Webentwicklung
Häufig nicht im Preis:
- Hosting (CHF 20–200 pro Monat)
- Domain (CHF 15–50 pro Jahr)
- SSL-Zertifikat (CHF 0–300 pro Jahr)
- Backup-Lösung (CHF 10–100 pro Monat)
- Wartung und Updates (CHF 100–500 pro Monat)
- Content-Erstellung (CHF 2’000–10’000)
Total mögliche Zusatzkosten Jahr 1: CHF 5’000–15’000
Bau und Sanierung
Häufig nicht im Preis:
- Baubewilligung (CHF 500–5’000)
- Entsorgung (CHF 500–5’000)
- Unvorhergesehene Schäden (CHF 1’000–10’000)
- Gerüst (CHF 2’000–10’000)
- Anschlussarbeiten anderer Gewerke
Total mögliche Zusatzkosten: CHF 4’000–30’000
Design und Branding
Häufig nicht im Preis:
- Stock-Fotos (CHF 200–2’000)
- Druck und Produktion (CHF 1’000–10’000)
- Adaptionen für verschiedene Formate (CHF 500–3’000)
- Brand Guidelines Dokumentation (CHF 1’000–5’000)
Total mögliche Zusatzkosten: CHF 2’700–20’000
Gartenbau
Häufig nicht im Preis:
- Pflanzen (CHF 500–5’000)
- Erde und Substrate (CHF 200–2’000)
- Steine und Kies (CHF 500–5’000)
- Bewässerungssystem (CHF 2’000–10’000)
- Entsorgung alter Pflanzen/Erde (CHF 200–1’000)
Total mögliche Zusatzkosten: CHF 3’400–23’000
Wie faire Anbieter Transparenz schaffen
1. Detaillierte Offerten
Gute Offerte enthält:
- Einzelposten mit Preisen
- Klare Beschreibung, was enthalten ist
- Explizite Ausschlussliste
- Pauschalen oder Aufwandschätzungen
2. Kostenrahmen bei Unsicherheit
Beispiel: “Entsorgung: CHF 1’500–3’000, abhängig von tatsächlicher Menge”
3. Change-Prozess
Klare Regelung:
- Wie werden Änderungen kommuniziert?
- Wie werden Zusatzkosten genehmigt?
- Schriftliche Bestätigung vor Mehraufwand
4. Transparente Kommunikation
Proaktiv:
- Anbieter weist auf mögliche Zusatzkosten hin
- Keine Überraschungen am Ende
- Regelmässige Kostenupdates
Checkliste: Fragen Sie vor Beauftragung
- Sind alle Reisekosten im Preis enthalten?
- Wie viele Revisions-Runden sind inkludiert?
- Ist Material im Preis enthalten oder extra?
- Sind Lizenzen (Software, Bilder) inkludiert?
- Ist Schulung und Dokumentation enthalten?
- Ist Entsorgung im Preis?
- Ist MWST im genannten Preis enthalten?
- Was kostet Support nach Projektabschluss?
- Gibt es eine Kostenobergrenze?
- Wie werden Änderungen abgerechnet?
Was tun, wenn Zusatzkosten auftauchen?
Vor Vertragsabschluss
- Alle Unklarheiten schriftlich klären
- Detaillierte Offerte verlangen
- Kostenobergrenze vereinbaren
Während des Projekts
- Zusatzkosten schriftlich bestätigen lassen
- Nur genehmigen, was nötig ist
- Budget im Auge behalten
Bei ungerechtfertigten Kosten
- Ursprüngliche Offerte prüfen
- Was war vereinbart?
- Schriftlich widersprechen, wenn ungerechtfertigt
Faire vs. unfaire Zusatzkosten
Faire Zusatzkosten
Merkmale:
- Wurden vorab kommuniziert
- Sind nachvollziehbar
- Sind marktüblich
- Stehen im Verhältnis zum Aufwand
Beispiel: “Zusätzliche Seite: CHF 500” (wenn im Angebot steht: “Projekt für 10 Seiten, jede weitere CHF 500”)
Unfaire Zusatzkosten
Merkmale:
- Wurden nicht kommuniziert
- Sind überhöht
- Wurden als “inkludiert” dargestellt
- Dienen nur dem Anbieter
Beispiel: “Koordinationsaufwand CHF 2’000” für etwas, das selbstverständlich sein sollte
Versteckte Kosten sind vermeidbar, wenn Sie:
- Die richtigen Fragen stellen
- Detaillierte Offerten verlangen
- Ausschlüsse explizit klären
- Schriftliche Vereinbarungen treffen
Faire Anbieter sind transparent über alle Kosten. Wenn ein Anbieter ausweichend antwortet oder “Details klären wir später” sagt, ist Vorsicht geboten.
Das KMU-Portal des Bundes empfiehlt, bei jeder Offerte explizit nach Ausschlüssen und möglichen Zusatzkosten zu fragen. Ein höherer Preis mit klarem Leistungsumfang ist langfristig günstiger als ein tiefer Preis mit vielen versteckten Kosten.